Geistliche Trockenheit

"Geistliche Trockenheit"

Vom 28.-29. September 2018 fand in Münster das multidisziplinäre Symposium zum Thema "Geistliche Trockenheit" statt.

Geistliche Trockenheit

Ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt von IUNCTUS ist die Geistliche Trockenheit. Hierbei handelt es sich um ein Themengebiet an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Medizin.

Spirituelle Auseinandersetzungen oder Phasen geistlicher Trockenheit als spezifische Formen einer Krise auf dem Lebens- und Glaubensweg können die Lebensorientierung und Sinnkonzepte der Betroffenen beeinträchtigen. Dies ist vermutlich besonders bedeutsam für Personen, die seelsorglich für andere arbeiten und ihr Leben auf Gott ausrichten. Wie sollen sie Halt geben, wenn ihnen dieser selber abhandengekommen ist oder die Beziehung zu Gott brüchig wurde?

Geistliche Trockenheit ist keine psychiatrische Diagnose, sondern beschreibt eine (unterschiedlich lang andauernde) Phase, die 1) wesentlicher Aspekt geistlichen Wachstums sein kann, wenn diese Phasen überwunden wurden und Veränderung der Haltungen und des Verhaltens damit einhergehen (“Transformation”), die aber 2) auch Hinweis für eine Sinnkrise oder depressive Gestimmtheit / emotionale Erschöpfung sein kann, die adäquate Unterstützung durch geistliche Begleiter und/oder Psychotherapeuten bedarf.

Forschungsmethoden

Ein empfundenes Verlassensein von Gott, der vorher seine Nähe gezeigt hat, geistige Kämpfe und Trostlosigkeit (desolación) sind klassische Themen in der religiösen Literatur. Diese werden in die Forschungsprojekte einbezogen und die entsprechenden Erfahrungen und Erkenntnisse im Erleben heutiger Menschen widergespiegelt. Der Blick auf die Geschichte der Spiritualität und theologische Reflexionen helfen, das Phänomen der Geistlichen Trockenheit von ‚modernen Erfahrungen’ wie Burn-out und Depression abzugrenzen bzw. ihre Interdependenzen aufzuzeigen.
Mit Hilfe der Spiritual Dryness Scale können unterschiedliche Symptome geistlicher Trockenheit sowie Reaktionen nach deren Überwinden operationalisiert und das Erleben in unterschiedlichen Personengruppen untersucht werden. Außerdem arbeiten wir mit qualitativen Methoden und vertiefen die Erkenntnisse aus dem empirischen Arbeiten, indem wir Betroffenen genau zuhören und den Motiven in ihrer Biographie nachgehen.

Die gewonnen Erkenntnisse werden in die untersuchten Personengruppen und Gemeinschaften zurückgegeben und im Rahmen von Tagungen, Bausteinen in Kursprogrammen, Seminaren sowie wissenschaftlichen Fachartikeln und Büchern vermittelt. Aktuelle Literatur zum Thema finden Sie hier.

Aktuelle Forschungsprojekte:

  • Empirische Erhebungen in unterschiedlichen Personengruppen zum Zusammenhang von Geistlicher Trockenheit und dem Erleben der Nähe Gottes
  • Empirische Erhebungen in religiösen Gemeinschaften zum Zusammenhang von Geistlicher Trockenheit, Acedia-Symptomen und spiritueller Transformation
  • Qualitative Interviews mit Ordens-Christen zum Erleben geistlicher Trockenheit in kleiner werdenden Gemeinschaften

Ansprechpartner

Prof. Dr. Arndt Büssing

Prof. Dr. Arndt Büssing

Professur für Lebensqualität, Spiritualität und Coping an der Universität Witten/Herdecke, Gerhard-Kienle-Weg 4, 58313 Herdecke

a.buessing@iunctus.de +49 (0)2330 / 623246